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Ein Bericht von Julia Mausch,
Lingener Tagespost vom 21. November 2018

Immer mehr Muslime lassen sich in Deutschland bestatten. Auch in Lingen ist das auf dem Neuen Friedhof möglich. Doch beim Abschiedsnehmen gibt es einiges zu beachten – dafür entwickelt Florian Heinen von der Friedhofskommission nun ein Konzept.

Im Gegensatz zur ersten Generation von muslimischen Gastarbeitern wollen heute viele Menschen nach dem Tod nicht in die Heimat zurück. Sie sind oftmals in Deutschland geboren, fühlen sich zu Hause und wollen hier beerdigt werden. Doch seit einigen Jahren kommen Flüchtlinge hinzu, die entweder nicht in von Krisen oder Krieg betroffene Länder zurückkönnen oder nur eine Sozialbestattung erhalten. Zahlen für ganz Deutschland gibt es nicht – auch nicht für das Emsland: „Der Landkreis Emsland erfasst die Asylbewerber nach Nationalitäten. Belastbare Zahlen zur Religionszugehörigkeit liegen uns nicht vor“, sagt Anja Rohde, Pressesprecherin des Landkreises Emsland.

Sarglose Bestattung erlaubt

Fast alle Bundesländer er- lauben Muslimen mittlerweile, ihre Toten sarglos zu bestatten, da im Islam der Glaube, dass der Mensch aus der Erde genommen und wieder zur Erde werden soll, stark ausgeprägt ist. 2006 ist in Niedersachsen das Bestattungsrecht geändert worden – seitdem ist es möglich, Tote nach islamischem Brauch nur in einem Tuch zu beerdigen. So auch auf dem Neuen Friedhof in Lingen. Bisher jedoch nicht auf einem eigenen Gräberfeld. Das soll sichkünftig ändern, geht es nach der Friedhofskommission Lingen. Geschäftsführer Florian Heinen hatte bereits Ende vergangenen Jahres den Wunsch, für Muslime eine angemessene Bestattungsmöglichkeit anzubieten, an die Stadt herangetragen. Mit Erfolg: Ein entsprechender Beschluss erfolgte Ende Dezember, sagt Stadtbaurat Lothar Schreinemacher.

Elf Monate sind seitdem vergangen. Elf Monate, in denen sich Heinen mit der Ausgestaltung des Grabfeldes, der Anordnung der Gräber sowie dem Ablauf der Bestattungen beschäftigt hat. Da es im Landkreis Emsland keine Glaubensgemeinschaft gibt, die Heinen genauere Infos hätten geben können, wandte er sich an den Zentralrat der Muslime in Köln. Der Kontakt zum Vorsitzenden des Landesverbandes Niedersachsen, Sadiqu Al-Mousllie, wurde hergestellt. Gemeinsam schauten sie sich unter anderem in Braunschweig das islamische Gräberfeld am Hauptfriedhof an. Die Gräber sind unter Berücksichtigung der Gebetsrichtung ausgelegt, also die Luftlinie zur Kaaba in Mekka dem zentralen Heiligtum

des Islam. Anders, als Heinen zunächst annahm, muss nicht der Körper des Verstorbenen gen Mekka liegen. „Lediglich die Augen müssen in diese Richtung blicken“, sagt der Lingener.

Muslimische Bestattung auf dem neuen Friedhof Lingen

Auf dem vorgesehenen rund 1000 Quadratmeter großen Areal nahe der Kapelle auf dem Neuen Friedhof in Lingen ist dies kein Problem, sagt Heinen. Doch es gibt noch weitere Unterschiede zu christlichen und nicht religiösen Beerdigungen. Im Islam muss so schnell wie möglich beigesetzt werden, innerhalb von 24 Stunden, so fordert es der muslimische Ritus. Doch das Bestattungsgesetz in Niedersachsen erlaubt eine Bestattung frühestens 48 Stunden nach dem Todesfall. Deswegen will die Friedhofskommission Lingen nun mit dem Landkreis Emsland, genauer gesagt der Gesundheitsbehörde, zusammenarbeiten, die Ausnahmen bei dieser Frist zulassen kann.

Problematisch wird es, die Leichen nach muslimischem Ritual vor der Bestattung auf dem Friedhof zu waschen. In Lingen gibt es keine speziel- len Waschräume, wo die Frauen ihre weiblichen und die Männer die männlichen Angehörigen waschen. Doch auch dafür hat Florian Hei- nen bereits eine Lösung gefunden. „Bei den Bestattungsinstituten könnte dies vorgenommen werden.“ Trauerfeiern könnten seiner Meinung nach in der Kapelle auf dem Friedhof stattfinden. 2013 wurde sie gebaut, lediglch ein großes Kreuz ist zu sehen, das im Falle der Fälle abgenommen werden kann.

Keine Fehler machen

Es sind Einzelheiten, die Heinen bis Mitte kommenden Jahres in einem Konzept niederschreiben will. Zeit, die wichtig ist, um bei diesem sensiblen Thema „keine Fehler zu machen“, sagt er. Offen ist auch noch, wie die Grab- stelle für Muslime angenommen wird. „Derzeit ist die Nachfrage gering.“ Laut Lothar Schreinemacher würden sich immer wieder Muslime auch speziell für eine Bestattung auf einem nicht religionsgebundenen Grabfeld entscheiden, quasi „in den normalen Reihen liegen“. „Sie sind der Meinung, dass sie in einer normalen Nachbarschaft leben, und möchten dann auch normal bestattet werden“, sagt der Stadtbaurat.

Muslimische Bestattungen in Lingen als PDF-Download.

Muslimische Bestattungen In Lingen

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